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Im Gartenbau

Erwerbsgärtner können einen positiven Beitrag zum Bestäuberschutz leisten.

Pflanzen bereichern unser Leben

Gärtnereien stehen für ein farbenfrohes Blütenmeer sowie eine hohe Kompetenz in Anbau und Züchtung attraktiver Blumen- und Pflanzensorten. Ihre Produkte bringen freudige Farbtupfer in unser Leben, verschönern unser Zuhause und bieten uns Abwechslung im Garten. Städte blühen auf und werden dadurch lebenswerter – sowohl für den Menschen als auch für viele Tiere. Die Speicherung von CO2 während des Wachstums und die positive Auswirkung auf das Mikroklima machen Pflanzen zudem zu einem wertvollen Partner in der Erhaltung der Umwelt.

Notwendigkeit von Pflanzenschutzmaßnahmen

Die gewünschte Effizienz und Wirtschaftlichkeit von Gärtnereien erfordert eine hohe Flächenproduktivität und führt überall im Gartenbau zu einer Spezialisierung der Betriebe. Deren geringere Kulturbreite begünstigt dann jedoch auch die Anfälligkeit der Pflanzen für Schädlinge und Krankheiten. Um die Produktionsware vor Schäden oder der Vernichtung zu schützen, sind Pflanzenschutzmaßnahmen oftmals unerlässlich. Diese Maßnahmen richten sich oftmals gegen Insekten, wodurch die eingesetzten Mittel teilweise auch für nützliche Insekten wie Bestäuber gefährlich werden können.

Das Anliegen von Flowers4Bees

Flowers4Bees möchte an diesem Punkt ansetzen und die bienenfreundliche Zierpflanzenproduktion fördern. Hierfür kann diese Internetseite als Informationsmedium genutzt werden, auf der wir relevante Forschungserkenntnisse zu diesem Thema zugänglich machen wollen. Kernstück unserer Arbeit ist aber das Angebot von Informationsveranstaltungen, die wir interessierten Gartenbaubetrieben anbieten.

Was kann ein Erwerbsgärtner konkret für den Bienenschutz tun?

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, vor allem chemischen Insektiziden, ist im Bezug auf Bestäuber am kritischsten zu bewerten. Um möglichst insektenfreundlich zu arbeiten, sollte ein Gärtner grundsätzlich drei Ziele verfolgen:

  1. den Einsatz chemischer Maßnahmen reduzieren,
  2. Mittel mit geringerem Risiko für Bestäuber auswählen und
  3. den Kontakt zwischen Maßnahmen und Bestäubern vermeiden.

In den folgenden Abschnitten vertiefen wir diese Aspekte.

Vorbeugen ist die beste Medizin

Mit der Auswahl des Pflanzenmaterials lässt sich die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlingsbefall schon im Vorwege reduzieren. Der Anbau robuster Züchtungen, die auf das jeweilige Klima in dem Vermarktungsmarkt optimal angepasst sind, verringert oftmals die erforderlichen Behandlungen. Falls Jungpflanzen von Zulieferern bezogen werden, sollte man miteinander klären, wie diese in Bezug auf Pflanzenschutz behandelt wurden, um unliebsame Überraschungen – z.B. in Form von Rückständen – zu vermeiden. Auch sollte die zugekaufte Ware eingehend auf vorhandene Schädlinge und Krankheiten geprüft und ggf. Quarantänemaßnahmen eingeleitet werden, um eine Verbreitung im eigenen Betrieb zu vermeiden.  Eine professionelle Kulturführung in Bezug auf die Zufuhr von Wärme, Licht, Wasser und Dünger sind ebenso Voraussetzung für einen erfolgreichen Anbau wie Hygienemaßnahmen im Betrieb. Zudem setzen zunehmend mehr Gärtner auf natürliche Pflanzenstärkungsmittel, um die Widerstandsfähigkeit ihrer Kulturen zu erhöhen.

Einsatz von Nützlingen

Pflanzenschutzmaßnahmen, die weder Bestäuber gefährden noch das Risiko von Resistenzenbildung mit sich bringen, sind entweder mechanische (z.B. das Absammeln von Schädlingen oder das Jäten von Unkraut) oder biologische, wozu insbesondere der Einsatz von Nützlingen, als natürliche Gegenspieler der Schädlinge, zählt. Nützlinge werden mit großem Erfolg vor allem im geschlossenen Anbau eingesetzt. Je nach vorhandenem Schädling werden gezielt Nützlinge ausgewählt. Entscheidend für eine wirksame Bekämpfung ist frühes Handeln, das durch regelmäßiges Scouting ermöglicht wird. Der Vorteil des Nützlingseinsatzes liegt nicht nur darin, dass für die konkrete Schädlingsbekämpfung biologisch gearbeitet wird, sondern vor allem auch darin, dass der Nützling nur in einer gesunden Umgebung seine Arbeit gut verrichtet. Hierfür muss eine etwaige Belastung des Betriebs mit chemischen Mitteln insgesamt und dauerhaft reduziert werden, was wiederum Mensch, Umwelt und den Bestäubern zugutekommt.

Bienenfreundlicher Betrieb

Um ein insektenfreundlicher Betrieb zu werden, sollte auch die dortige Infrastruktur darauf ausgerichtet sein. Im Wesentlichen gilt es hier, den Kontakt von Bestäubern mit Pflanzenschutzmaßnahmen zu vermeiden. Bei einer Gewächshausproduktion gehen Behörden bei der Erteilung von Zulassungen grundsätzlich davon aus, dass natürlich vorkommende Insekten nicht mit diesen Maßnahmen in Berührung kommen. Dadurch sind Anwendungsvorschriften weniger strikt. Hierfür ist es dann auch erforderlich, dass der Gärtner Bienen und andere Insekten aus der Produktion fernhält, wobei Insektengitter vor Fenstern und Belüftungen gute Dienste erweisen können.

Bei Produktionsweisen, in denen der Kontakt zwischen Nutzinsekten und Pflanzenschutz nicht vermieden werden kann – beispielsweise im Freiland oder dort, wo Bienen oder Hummeln aktiv als Bestäubungshelfer eingesetzt werden – sind schonende Pflanzenschutzmaßnahmen besonders wichtig. Ergänzend dazu können im Freilandbetrieb natürlich vorkommende Nützlinge in ihren Lebensräumen derart gefördert werden, dass sie helfen, Schädlinge im Zaum zu halten. Parallel dazu können für Bestäuber außerhalb der Produktion auf angrenzenden Flächen attraktive Bereiche geschaffen werden, die sie für ihre Nahrungssuche anfliegen können. Blühwiesen sind hierfür ein geeignetes Mittel, aber auch Nisthilfen und ein reduziertes Aufbrechen bzw. Umpflügen von Böden, wo ein Großteil der Wildbienen nistet.

Alternative bei besonders hartnäckigen Schädlingen

Sollten mechanische und/oder biologische Maßnahmen nicht ausreichen, um den Anbau schädlings- und krankheitsfrei fortzuführen, müssen meist doch chemische Mittel zum Einsatz kommen. Neben dem Verzicht auf besonders kritische Stoffgruppen und dem unbedingten Einhalten von Anwendungsbestimmungen können Mittel ausgewählt werden, die eine besonders hohe Abbaurate haben. Um eine optimale Wirkung mit minimalem Risiko zu erzielen, sollte zudem die vorhandene Applikationstechnik und -apparatur auf einwandfreie Funktionsfähigkeit und Ausbringungseffizienz überprüft werden. Nach Auskunft von Pflanzenschutzberatern kann an dieser Stelle des Anbaus bereits eine hohe Einsparung erzielt werden – ohne den Verlust der Wirksamkeit.

Exkurs: Bienengefährdungsstufen

Die Bienenschutzverordnung regelt in Deutschland die Deklaration und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Alle Produkte durchlaufen ein Zulassungsverfahren, in dem in mehreren Versuchen bei Einhaltung der empfohlenen Herstelleranwendung und -dosierung die Tödlichkeit des Mittels an Honigbienen getestet wird. Aus den Ergebnissen ergibt sich eine Klassifizierung in die Stufen B1 bis B4, die mit entsprechenden Anwendungsauflagen belegt sind.

Ergänzend gibt es die deklarationspflichtige Einstufung NN410, die das Risiko für wilde Bestäuber angibt.

So hilfreich die Einstufung von Pflanzenschutzmitteln in die Bienengefährdungsklassen B1 bis B4 ist, so kritisch sollte diese Klassifizierung trotz allem hinterfragt werden. Einerseits werden aufgrund der leichteren Machbarkeit für die Studien zur Risikoeinstufung die Produkte vorrangig an Honigbienen getestet, wodurch ggf. abweichende physiologische und neurologische Eigenschaften von Wildbienen unberücksichtigt bleiben. Zudem wird die Klassifizierung auf Grundlage der dokumentierten Todesfälle dieser Bienen erstellt, was bedeutet, dass sublethale Dosen, die aber vielleicht dennoch zu gesundheitlichen Schädigungen am Insekt und sogar dem gesamten Bienenvolk führen, keinen Einfluss auf die Bewertung haben. So können Mittel, die Honigbienen nicht sofort töten, sondern sie nur krank machen, ihre Orientierung oder Kommunikation stören oder gefährlich für ihre wilden Cousinen sind, dennoch mit B4 als „nicht bienengefährlich“ zugelassen werden. Andererseits werden Produkte, für die keine aufwändigen Bienenstudien vorliegen, nach dem Vorsorgeprinzip automatisch in die Klasse B1 eingestuft, was dazu führt, dass auch als weniger toxisch anzusehende Mittel als „bienengefährlich“ deklariert werden.

Auswahlkriterien

Bei der Auswahl der Mittel kann neben der B1-B4-Einstufung auch die nachgewiesene lethale Dosis des zugrundeliegenden Wirkstoffs herangezogen werden. Wirkstoffe mit einem LD50/48h-Wert von weniger als 2 µg pro Biene gelten hierbei als besonders toxisch. Doch auch hier gilt die Aussage, dass nicht allein die tödliche Dosis kritisch ist, sondern vor allem auch diejenigen Stoffe, die lebenswichtige Funktionen der Bestäuber, wie z.B. die Orientierung stören. In den vergangenen Jahren sind hierbei besonders die Stoffgruppen der Pyrethroide und Neonicotinoide in die Kritik geraten. Letztere sind inzwischen in Teilen auch bereits für die gartenbauliche Produktion innerhalb der EU verboten. Diese Entwicklung zeigt, dass ein zukunftsorientierter Anbau Studien und Berichte dieser Art ernst nehmen und sich frühzeitig Alternativen suchen sollte.

Der richtige Einsatz der Mittel

Zusammengefasst helfen Honigbienen, Wildbienen und anderen wichtigen Insekten folgende Maßnahmen:

  • gesunde, starke Pflanzen anbauen
  • natürliche Vorkommen von Nützlingen stärken
  • regelmäßiges Scouting für schnelle Reaktion gegen Schädlinge/Krankheiten
  • Nützlinge und biologische Maßnahmen aktiv einsetzen
  • Kontakt zwischen Nutzinsekten und Pflanzenschutzmitteln vermeiden
  • so viel Pflanzenschutz wie nötig, so wenig wie möglich
  • auf umstrittene Wirkstoff(gruppen) verzichten
  • Präparate mit Deklaration zur Gefährdung von Wildbestäubern (NN410) meiden
  • keine „Cocktails“ aus mehreren Wirkstoffen einsetzen
  • auf systemische und sich nur langsam abbauende Wirkstoffe verzichten
  • bei Dosierungen von Mitteln die Herstellerangaben nicht überschreiten
  • gesetzliche Auflagen der Bienenschutzverordnung einhalten
  • auch vermeintlich ungefährliche Mittel (B4) lieber abends statt während der Bienenflugzeiten anwenden
  • gezielte Anwendung statt Streuverluste durch effiziente Applikationstechnik
  • benachbarte Imker über geplante Einsätze informieren